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Online Mittagsseminare Peerarbeit

Der Begriff „Peerarbeit“ (häufig auch als Peer Support oder Peersupport bezeichnet) stammt aus dem Bereich der psychosozialen und gesundheitlichen Versorgung und wird nicht einheitlich definiert. Allen Definitionen gemeinsam ist, dass Menschen mit eigener Erfahrung andere in ähnlichen Situationen unterstützen. Konkret bedeutet Peerarbeit die Unterstützung durch Gleichbetroffene – also durch Personen, die vergleichbare Erfahrungen gemacht haben (z. B. mit psychischen Erkrankungen, Sucht oder chronischen Krankheiten) und diese gezielt einsetzen, um andere zu begleiten.

In der Schweiz gewinnt Peerarbeit insbesondere in der Psychiatrie, der Suchthilfe und der Rehabilitation zunehmend an Bedeutung. Organisationen wie Pro Mente Sana oder EX-IN Schweiz fördern aktiv den Einsatz von Peers. Im modernen Gesundheitssystem ist Peerarbeit häufig eine qualifizierte, professionalisierte Tätigkeit: Peers werden geschult und arbeiten in Institutionen (z. B. Kliniken), wo sie ihre Erfahrungsexpertise ergänzend zur Fachkompetenz von Ärztinnen, Ärzten und Pflegefachpersonen einbringen. Im Kontext der Recovery-Bewegung – insbesondere in der Psychiatrie – wird Peerarbeit als Form der Unterstützung verstanden, die Hoffnung, Selbstbestimmung und soziale Teilhabe stärkt.

Mittlerweile liegen mehrere Studien zur Peerarbeit vor, die neben den Vorteilen auch Herausforderungen aufzeigen. Einerseits können Peers nachweislich zur Förderung von Hoffnung, Empowerment und Recovery beitragen und eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Beziehungsebene im Gesundheitssystem spielen. Andererseits sind spezifische klinische Effekte – etwa die Reduktion von Symptomen oder die Verhinderung von Rückfällen – bislang nur begrenzt belegt. Zudem bestehen in der Praxis auf verschiedenen Ebenen Herausforderungen: die strukturelle und finanzielle Einbindung von Peers ins Gesundheitssystem, die auch eine politische Dimension hat; der Umgang mit möglichen Belastungen für Peers, wie etwa Retraumatisierung; sowie Fragen der Professionalisierung, die in ein Spannungsfeld mit der geforderten Authentizität geraten können.

Die Veranstaltungsreihe greift diese Fragen auf und diskutiert sie gemeinsam mit Fachpersonen aus dem Bereich der Peerarbeit. Geplant sind drei Veranstaltungen mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten. Als Referentinnen und Referenten sind sowohl Fachpersonen aus Praxis und Forschung als auch Peers eingeladen. Die Reihe richtet sich an ein interessiertes Fachpublikum.


Programm

Veranstaltung 1: Aktuelle Situation

Montag, 7. September 2026 | 12.00 - 13.00 Uhr | online |  Anmeldung

Thema: Neue Entwicklungen, Rahmenbedingungen, Forschung

Inhaltliche Schwerpunkte:

  • Aktuelle allgemeine Lage zur Peerarbeit in der Schweiz (u.a. Positionspapier SOPSY)
  • Formen der Peerarbeit
  • Qualität und Rahmenbedingungen der Peerarbeit (Ausbildung)
  • Forschungsergebnisse

Moderator:

  • Dr. Wim Nieuwenboom, Leiter Fachgruppe Mental Health Public Health Schweiz

Referenten:

  • Roger Altmann, Leiter Netzwerk Gesundheit (Schweiz) AG
  • Dr. Christian Burr, Kopräsident SOPSY; Berner Fachhochschule, Gesundheit, Fachbereich Pflege
  • Christian Feldmann, Peer, Psychiatrische Dienste Bern (angefragt)
  • Andrea Zwicknagl, Peer Berner Fachhochschule, Gesundheit, Fachbereich Pflege

Veranstaltung 2:

Mittwoch, 21. Oktober 2026 | 12.00 - 13.00 Uhr | online |  Anmeldung

Thema: Peers in der Praxis

Inhaltliche Schwerpunkte:

  • Konkreter Nutzen von Peerarbeit für Betroffene und Angehörige
  • Der Ansatz des Open Dialogue
  • Erfahrungen aus der Beratungspraxis: Mehrwert für betroffene Familien

Moderatorin:

  • Alessandra Weber, Leiterin Institut Kinderseele Schweiz iks

Referent*innen:

  • Dr. Thomas Ihde, Chefarzt Psychiatrie, Spitäler Frutigen Meiringen Interlaken AG
  • Cornelia Hartenbach, Peer Psychiatrie, Spitäler Frutigen Meiringen Interlaken AG
  • Rea Iseli, Peerberaterin EX-IN und Familienberaterin i.A., Institut Kinderseele Schweiz

Veranstaltung 3:

Mittwoch 11. November 2026 | 12.00 - 13.00 Uhr | online |  Anmeldung

Thema: Recovery Colleges

Inhaltliche Schwerpunkte:

  • Entstehung und Entwicklung Recovery Colleges in der Schweiz
  • Bildungsbasierter Ansatz auf Grundlage der Peer-Bewegung
  • Konzept „Caring Society“

Moderatorin:

  • Nora Ambord, Berner Fachhochschule, Gesundheit, Fachbereich Pflege

Referent*innen:

  • Dr. Gianfranco Zuaboni, Berner Fachhochschule, Gesundheit
  • Renata Bleichenbacher, Leiter*in Recovery College Bern bzw. St Gallen


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